Traumreise  
REISETAGEBUCH/FOTOS/DER TRAUM///KONTAKT  

  2013 Indonesien
2008-2009 Spanien
2006-2007 Westeuropa-Marokko
2004-2005 Indien
2004  Russland - Kasachstan

 

Kunst und Kultur in Ubud


So, da wären wir, Ubud, des künstlerische Zentrum Balis. Irgendwie hab ich mir das allerdings anders vorgestellt. Ich sehe nur Souvenirshops, Restaurants und Massagesalons. Irgendwie wie in Kuta. Tourismus pur. Na ja, warten wir’s mal ab.

Erstmal schauen, wo mein Fahrer mich hinbringt. Oh, dieses Mal in ein Hotel mit Pool, riesen Zimmer, warmes Wasser und Handtücher. Inklusive Frühstück 13 Euro die Nacht. Ob ich mir das leisten kann? Es ist Vorsaison. Preise können um die Hälfte bis auf 1/3 gekürzt werden. Überall auf Bali. Find ich natürlich super.

Nach einer erfrischenden Schwimmeinlage will ich mir den bekannten Monkey Forrest anschauen. In Ubud gibt es ein sehr altes Waldstück, in dem ca. 130 Affen leben. Eine mystischen Kulisse, denn in diesem Dschungelwald findet man Tempelanlagen aus dem 14 Jh. Wenn man von der Souvenirstraße hier abtaucht, kommt man sich vor wie in einer anderen Welt. Eindeutig die schönere.

Am nächsten Tag weiß ich nichts so recht mit mir anzufangen. Hab keine Lust auf Shoppingbummel. Ich mache einfach mal nichts. Hab in den letzten Tagen ja auch genug gesehen. Abends lass ich mich von einer kleinen zierlichen Balinesin zu einer Massage überreden. Für 5 Euro eine ganze Stunde erwarte ich eigentlich nicht so viel. Aber, oha, als die Kleine loslegt, hätt ich glatt ins Handtuch beißen können. Mann, hat die ein Griff drauf. Wieso hab ich das eigentlich nicht schon eher gemacht? Nein, wie herrlich!

Dank meines tollen Reiseführers weiß ich, dass ich Ubud verlassen muss, um mir die Werkstätten anzuschauen. Mich interessieren die Holzarbeiten. Ein Zentrum dafür ist in Mas nahe Ubud. Ich nehm mir einen Fahrer, die es hier überall günstig an der Straße gibt. Ja, und ich muss sagen, dass hat sich gelohnt. Die balinesische Holzkunst ist uns in Deutschland nicht fremd. Hier finde ich allerdings Ausmaße und Schönheiten, die mich echt umhauen. Neben den Werkstätten finden sich Antik- oder Galerieläden. Fotografieren leider nicht erlaubt. Nur soviel, viel viel größer, filigraner und aufwendiger als ich es bisher gesehen habe. Holz, Bronze, Marmor – alles atemberaubende Museumsstücke. Ich empfehle jedem, der sich so was mal anschauen möchte, in die Galerie Bali Gong in Mas zu gehen. Riesen Hallen mit Kunststücken an denen mitunter Jahre gearbeitet wurde. Ich lasse mir erklären: Der Künstler arbeitet sich geduldig Stück für Stück vor. Wenn er aber keine Lust mehr hat, es ihm zu langweilig wird, lässt er es stehen und macht was anderes. So lange, bis er wieder einen neuen Antrieb verspürt daran weiterzuarbeiten. Dabei wächst das Kunststück gemeinsam mit den Erfahrungen des Künstlers. Und so braucht eben ein richtig gutes handwerkliches Kunststück seine Zeit, mitunter Jahre.

Am letzten Tag in Ubud bummel ich früh morgens schon über den einheimischen Markt. Morgens um halb 7 Uhr trifft man hier noch keine Ausländer. Dementsprechend werde ich gemustert. Erst recht, als ich mein Frühstück hier einnehme. Neben allen möglichen Fleisch, Gemüse und Obst kann man auch fertig zubereitetes Essen kaufen. Da sitzt da eine Frau hinter vielen Töpfen, ein Klacks Reis, bisschen Soße und Gemüse drauf. Wen man will auch Ei und Fleisch. Meistens wird es mit den Händen aufgefüllt, die auch beim Geldwechsel nicht gesäubert werden. Für uns „sterilen“ Deutschen eher ein abschreckendes Bild. Aber die anderen essen es ja auch. Ich beobachte das ganze, schaue wie viel Geld bezahlt wird (um als Tourist nicht zuviel zu bezahlen) und mache das ganze dann nach. Auch wenn die Zubereitungsweise befremdlich ist, es schmeckt köstlich! Die Einheimischen freuen sich und ich mich auch. Ab 8 Uhr wird es langsam leerer auf dem Markt. Gemüse-, Obststände weichen vor den Sarong- und Dresshops. Jetzt kommen nämlich die Touristen mit ihren Fotoapparaten geführt von einem Guide. Ich frage mich echt, was der Guide da wohl erklärt. Ich sitze lächelnd neben Pudu, von dem ich grad noch einen Straßenkaffee gekauft habe und zusammen schauen wir dem Treiben zu.

 

Später lass ich mich dann doch zum Bummeln verführen. Ich finde einen kleinen Shop mit kunstvollen Metallbeschlägen und muss dabei an mein Handwerkergenie zu Haus denken. Ich beschließe, ihm welche mitzubringen. Ganz wichtig hier auf Bali: Nie das bezahlen, was als Preis genannt wird. Hier wird gehandelt, was das Zeug hält. Und das kann einen Heidenspaß machen. Das ganze läuft in etwa so ab: Man schaut sich etwas an. Sobald man nach dem Preis fragt, ist man aus Verkäufersicht willig es zu kaufen. Der Preis wird enorm hoch angesetzt, damit man sich als Ausländer von vornerein nicht traut einen sehr tiefen Ausgangspreis zu nennen. Der Verkäufer gibt natürlich Discount auf seinen Preis. Erst recht, wenn man mehrere Stück kauft. So ist das ja nicht. Traut man sich doch, nur etwa 1/10 des Preises zu nennen, dann ist der Verkäufer total entsetzt und man wird belächelt … in der Hoffnung, der Käufer bekommt für seine Frechheit ein schlechtes Gewissen. Der Preis geht dann in einem ersten großen Schritt runter mit der Bitte, dem Verkäufer etwas entgegen zu kommen. Hier wird es dann spannend. Die Verhandlung kommt erstmal zum stoppen und man plaudert ein wenig. Wie heißt Du, wo kommst Du her, hast Du Familie und Kinder? Es wird eine persönliche Beziehung, ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, welches nachgiebiger macht oder machen soll. Als cleverer Käufer tut man das ebenso. Und nebenbei wird weitergehandelt. Als Käufer wichtig, dass man nicht das Gefühl übermittelt, das man das Teil wirklich haben will. ‚Nein, ich brauch das nicht! Außerdem bin ich ein armer Reisender, kein reicher Tourist!’ Der Verkäufer legt sich ins Zeug und geht immer weiter runter. Am erfolgreichsten ist man aber erst, wenn man Anstalten macht zu gehen. „He mein Freund, es hat Spaß gemacht mit Dir zu handeln, aber ich brauche das wirklich nicht. Du findest sicher jemanden, der Dein wundervolles Teil zu schätzen weiß und Deinen Preis zahlt.“ So in der Art und plumps, kriegst du es zu dem Preis, zu dem du es haben willst. Oft bewegt es sich um 1/3 des Ausgangspreises des Verkäufers. Je mehr Ausdauer man hat, sind auch 1/4 oder sogar 1/5 drin. Abhängig auch, wie viel Stücke man kauft. Auf jeden Fall ein Erlebnis.

An meinem letzten Abend in Ubud gehe ich nach meiner allabendlichen Massage und einer traditionellen balinesischen Tanzaufführung schön essen. In Ubud wird abends in den Restaurants oft Livemusik gespielt und der Mann mit seiner Gitarre singt für mich „you are so beautiful“ von Joe Cocker. Oh ha, was Massagen so ausrichten können! Nein, im Ernst. Ich genieße es natürlich. Wie den ganzen Urlaub.

Ab und zu wandern meine Gedanken aber schon in Richtung Heimat. Es ist alles sehr schön hier und ich genieße die wundervollen Erlebnisse. Aber der wirkliche Reichtum wartet zu Hause auf mich. Ich freue mich darauf, bald wieder meine Lieben in den Arm nehmen zu können. Aber erstmal geht’s wieder zurück nach Kuta, wo ich mir noch einen Höhepunkt der Reise gönne.