Traumreise  
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2004  Russland - Kasachstan

  KW 28 - Polen - Litauen - Lettland - Russland




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Am 4. Juli 2004 verließen wir endgültig Deutschland. In Greifswald hatten wir die letzten Sachen erledigt. Stephan hatte unsere “Waldtoilette” (siehe Foto) und eine Außendusche gebaut. Alles war vorbereitet und wir freuten uns riesig. Durch die EU-Erweiterung war der Grenzübergang zu Polen ein Kinderspiel. Wir fuhren bis an die Ostsee nähe Danzig und verbrachten dort unsere erste Nacht irgendwo im Wald. Alle hatten uns gewarnt. “Campt ja nicht wild, am besten Campingplätze, bloß nicht irgendwo einfach hinstellen.” Und was machen wir? Stehen gleich in der ersten Nacht an so einem Waldweg an der Ostsee im Nirgendwo. Auf einen Spaziergang bei Sonnenuntergang im Meer konnten wir einfach nicht verzichten. Irgendwie hatten wir dann doch in der ersten Nacht ein bisschen Angst. Aber außer 10.000 Mücken hat uns niemand überfallen. Wie wir uns fühlten an jenem ersten Tag? Alles war neu für uns. Wir fühlten uns, als müssten wir irgendwo ankommen oder bald wieder nach Hause. Am nächsten Tag sind wir fast nur gefahren. Wie geplant sind wir meisten nur Nebenstraßen gefahren. Auch wenn wir durch Polen nur durchfahren wollten, wollten wir doch schon ein bisschen was sehen vom Land. Die Strassen waren dementsprechend schlecht und wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Die Leute sahen uns oft hinterher. Auffallend sind in dem katholischen Polen die bunt geschmückten Gräber auf den Friedhöfen und in jedem kleinen Dorf die mit Blumen übersäten Schreine mit der Jungfrau Maria. Wir fuhren bis zur Masurischen Seenplatte auf einem Campingplatz direkt an einem großen See, wo wir einen herrlichen Sonnenuntergang sahen. Zur Feier des Tages, mein Geburtstag, gabs ne heiße Dusche. Das Wetter war nicht das beste. Ab und zu kam ein Regenschauer. Deshalb trieb es uns weiter. Auch die Grenzen zu Litauen und Lettland waren einfach. Stephan musste nur einmal kurz den Hänger aufmachen. Die Beamten waren immer sehr freundlich und freuten sich, wenn sie unser Auto sahen. Je östlicher wir fuhren, um so mehr Weiden und Wiesen sahen wir. Nicht so viel Landwirtschaft wie bei uns. Jana war von der Vielzahl der bunten Blumen immer mehr begeistert. Litauen erinnerte uns an das “Hobbitland” aus “Herr der Ringe“. Viele kleine Hügel, überall einzeln verteilte Bauernhöfe mit kleinen Feldern, wo das Nötigste angebaut wurde. Dazu hatte jeder Bauernhof seine Kuh und sein Pferd auf der Weide. Man sah Bauern mit Sensen und riesige Heuhaufen. In Litauen verbrachten wir ebenfalls 2 Nächte wieder an verschiedenen Seen. Das abendliche Platzfinden erwies sich allerdings als nicht immer einfach. Außerdem waren die Hinweisschilder anders als bei uns. Wir glaubten einen Campingplatz zu finden, fanden mitten im Grünen aber eine große Kirche. Neben dieser Kirche war allerdings so was wie ein Kinderferiencamp. Da wir ja auch noch Kinder sind, stellten wir uns einfach dazu. Am nächsten Morgen sprach uns eine Frau an. Wir verstanden kein Wort. Sie wollte uns einfach nur die Kirche zeigen. Dieses Angebot nahmen wir dankbar an. Aufgrund der Sprachschwierigkeiten blieb unser Gespräch allerdings kurz. Wir fanden es aber schon sehr aufregend, dass wir einfach so angesprochen wurden. In Litauen sind die Menschen sehr stolz auf ihre prächtigen Kirchen. Wir stellten später das gleiche in Lettland und Russland fest. Wir fuhren weiter. Am Straßenrand wurden Walderdbeeren und -heidelbeeren verkauft. Leider hatten wir nur Euro, also pflückten wir selbst. Die Beeren kochte Jana dann zu einem Mus, den es dann mit heißem Griesbrei gab. Lecker. In Lettland angekommen suchten wir wieder ein ruhiges Plätzchen. Wir waren noch sehr von den letzten Wochen gestresst, wollten uns erst ein wenig erholen bevor wir uns richtig auf die fremde Welt stürzen wollen. Außerdem wollten wir uns ein wenig einleben in unser neues Heim. Der Anfang unseres neuen Lebens war gar nicht so einfach. Wir haben es uns immer sehr romantisch vorgestellt. Aber wir mussten uns erst einmal daran gewöhnen. Das so zuerst so aus: Andauernd den Kopf im Auto stoßen! Von Mücken zerstechen lassen, wenn man mal in die Büsche musste! Wenn wir was aus einem Schrank brauchten, fiel uns alles entgegen und hatte hinterher viel uns ein, dass wir dies und jenes ja auch noch brauchten, also wieder an den Schrank und alles ausräumen. Alles musste erst seinen Platz und wir unseren Rhythmus finden. Außerdem mussten wir uns mit den ersten Problemen rumschlagen: Unsere Kühlschrank zeigte Error an. Zu wenig Strom. Die Solarbatterie kann sich bei dem schlechten Wetter nicht ausreichend aufladen. Bei starkem Regen regnete es vorne im Auto rein und die LED-Lampen der Innenbeleuchtung erwiesen sich als Fehlkauf. Zurück zu Lettland. Wir finden einen See. Super! Allerdings hatte Platz Nr. 1 volle Breitseite kalten Wind, komische Viecher fliegen da rum und als Stephan in die Sch... tritt, fahren wie weiter. Platz Nr. 2 ist perfekt! Direkt am See, herrlicher Sonnenuntergang, wir gehen baden, waschen uns, klappen unsere Stühle auf. Da kommt ein Mann: Privat. Wenn wir allerdings 20 $ zahlen, können wir bleiben. NÖ! Der spinnt wohl. Platz Nr. 3, den der Mann uns als Alternative gezeigt hat, erweist sich als Park-Rastplatz. Geht gar nicht. Platz Nr. 4., wo man campen darf, hat 100000 Viecher in der Luft, man muss sich den Blick auf den See erst frei wedeln. 2 x finden wir einen Campingplatz, die allerdings nur aus Bungalows aus der “guten alten Russenzeit” bestehen und dementsprechend aussahen. Wir sind müde. Letzter Versuch. Wieder ein Hinweis, dass man hier am See campen darf. Wir bleiben. Es sieht ganz ruhig aus. Nur 2 Familien in 200 m Entfernung gehen baden. Wir klappen das Dach auf, setzen uns kurz draußen hin und ignorieren die Mücken einfach. Da fährt ein Auto mit 4 Männern direkt an uns vorbei in einen dunklen Waldweg. Ein weiteres Auto mit 4 Jungs und ein Mädel stellen sich genau rechts neben uns. Nicht das zuwenig Platz da gewesen wäre. Sie inspizieren unser Auto und gehen dann schwimmen. Von rechts taucht plötzlich ein Typ auf, bietet uns Wodka und Dope an. Nein danke. Der Typ zieht wieder ab, so wie alle anderen auch. Am nächsten Morgen kommen wieder Einzelne baden. Die Menschen in dieser Gegend nutzen, so wie wir auch, einfach den See um sich zu waschen. Alles klar! Auf zur russischen Grenze.

 

Die russische Grenze (aus Janas Sicht)

 

Aus Lettland raus war kein Problem, in Russland rein war ein Akt. 10 Uhr. Wir kommen zum Posten Nr. 1: Wir kriegen einen Zettel, wo kurz unsere Daten, Auto und Reiseziel notiert werden. Die Frau fragt mich, sehr freundlich: „Moskau oder St. Petersburg?“ Ich sage spontan St. Petersburg. Da wollen wir ja auch hin, irgendwann. Wie sollte ich ihr auch erklären, dass wir hier und da nur ein bisschen campen wollen? Außerdem gibt sie uns eine Migrationscard, die wir ausfüllen sollen. Passieren dürfen wir den Posten erst nach den 6 LKWs, die nach uns gekommen sind. Aber wir haben ja Zeit. Am nächsten Posten kam ein Typ auf uns zu und musterte unser Auto ganz genau. Im Häuschen dazu, wo ich brav unsere Reisepässe vorlegte, saß eine junge, hübsche, blonde ....Furie. Die hat gezetert, das war schon fast lustig. Daweitje, Daweitje, meinte sie zu mir. Adresse in Russland! ...äh, haben wir nicht. Wir soll ich ihr das erklären. Sie verstand mich nicht, ich sie nicht, sie wurde immer wütender. Inzwischen musste Stephan unseren Hänger präsentieren. Hinter unserem Auto stand ein Pärchen aus Polen, dem Kennzeichen nach. Sie sprachen zum Glück russisch und englisch. Sie sprach mich interessiert auf unsere Website an, die sie am Hänger las und war von unserem Vorhaben begeistert. So sprach ich mit der Furie, mit der Frau aus Polen namens Kascha und mit Stephan, der die Fragen des Grenzbeamten nicht verstand. Kascha half uns ohne zu Zögern beim Übersetzen als sie unsere Hilflosigkeit bemerkte. Da ich mich somit nicht 100% auf die Furie konzentrierte, wurde die noch wütender, schob ihren Kopf aus dem Fenster und schrie den Hängerkontrolleur an. Okay, wir hatten ja auch das Adressenproblem zu lösen. Wir konnten keine Adresse nennen, bei der wir uns 2 Monate aufhalten. Per Telefon wurde eine Frau zur Klärung des Falls herbeigerufen. Zu fünft diskutierten wir wild auf russisch, englisch und deutsch. Letztendlich verzichtete die Furie auf die Adresse unter der Bedingung, dass wir uns innerhalb der ersten 3 Tage in St. Petersburg registrieren lassen. Jawoll! Wird gemacht! Puh, der Posten war überstanden. Ab zum nächsten. Beim Posten Nr. 3 erwartet uns Ms. Eiskalt, so jedenfalls ihr Blick. Sie verziert keine Miene. Ich habe keine Ahnung, was sie von mir will, also gebe ich ihr sämtliche Dokumente. Nein, will sie gar nicht Sie zeigt mir wortlos Zollerklärungsformulare in verschiedenen Sprachen. Bei Deutsch sage ich stopp! Ausfüllen darf beide nur Stephan, weil er der Fahrzeughalter ist. Aber bitte beim nächsten Posten ausfüllen, dawaitje. Na gut. Posten Nr. 4 ein Mann, schüchtern und sehr nervös. Hier schließen wir die Versicherungen für unser Auto und unseren Hänger ab. Das dauert ewig. Aber wir haben ja Zeit, ...nur inzwischen tierischen Hunger. Kascha hilft uns wieder beim Übersetzen. Die Versicherung muss gleich bar bezahlt werden. Natürlich haben wir keine Rubel dabei. Also laufe ich in die Wechselstube und das gleich 2x, weil das erste gewechselte Geld nicht ausreichte. Unser Auto steht noch am Posten bei Ms. Eiskalt, die ist inzwischen auch neugierig geworden. Stephan muss noch mal den Hänger aufmachen und die Alukisten auf dem Dach auch gleich. Ob wir Waffen, Drogen und Juwelen dabei haben? Selbstverständlich nicht!!! Ich bin mit den Versicherungsunterlagen wieder zurück, lege diese Ms. Eiskalt vor. Wir kriegen noch eine Versicherungspolice. Dann dürfen wir fahren. Endlich. Aber nach 200 m erwartet uns noch ein Posten. Die Dame will den weißen Zettel, den wir anfangs bekommen haben und der bei jeder Station brav abgestempelt wurde. Sie sieht ihn und flucht. Was ist denn jetzt noch? Sie läuft zum Telefon. ....ich hab so Hunger.... Nach dem kurzen Telefonat, winkt sie uns durch. Wir dürfen fahren. Juchu!!! Wir sind drin!!!

 

Wir fahren über Ostrov nach Pskov. Wir wollen an den See dort. Es gibt kaum Hinweisschilder. Wir wissen nicht wo lang. In Pskov fahren wir über eine grüne Ampel. Denken wir. Nur schalten die in Russland anders. Das Grün galt für die Linksabbieger nicht für uns. Die Kelle schwingt. Wir zeigen unsere Papiere, sind uns keiner Schuld bewusst. Wir verstehen kein Wort. Aha, nach einigem Hin und Her, sehen wir unseren Fehler ein. Jana zeige ihm unsere Russlandstraßenkarte und fragt den Polizisten erst mal nach dem Weg. Der versteht natürlich genauso wenig. Ohne Strafe dürfen wir letztendlich fahren. Wir fahren nach Gefühl und hoffen so den Weg zu finden. In einem Dorf fragen wir nach dem Weg.... aufgrund der Sprachschwierigkeiten sehr lustig. Wir finden dann einen kleinen See, wo wir übernachten können. Wir entschließen uns am Samstag noch mal nach Pskov zu fahren, um eine genauere Straßenkarte zu kaufen. Auf dieser entdecken wir, dass es in Pskov einen Campingplatz geben soll. Außerdem wollen wir uns registrieren. Das mit dem registrieren geben wir nach 3 Tagen und etliche Fragen an all möglichen Leuten auf. Keiner hat von so was gehört. Den Campingplatz finden wir auch nicht. Nur einen anderen See, der noch voller und noch lauter ist. Hier lernen wir aber Nikolai, Katja, Nastja und Sascha kennen, die sehr nett sind. Wir haben ein Problem mit unserer Solarbatterie. Nikolai erklärt sich sofort bereit, uns zu helfen. Wir verabreden uns für Montag früh. Das Wochenende an diesem See ist sehr ereignisreich. Die Leute sind interessiert. „Was ist das für ein Auto?„ Einige Studenten laden uns ein, bei ihnen am Lagerfeuer zu sitzen und etwas zu trinken. Stephan schmeckt der Wodka sehr gut. Sergej, der einer Band angehört, spielt Gitarre und singt russische Lieder. Die Woche endet dann sehr romantisch.