Traumreise  
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  2013 Indonesien
2008-2009 Spanien
2006-2007 Westeuropa-Marokko
2004-2005 Indien
2004  Russland - Kasachstan

 



Unglaublich wie sich das Klima nach ein paar 100 Kilometern ändert. Gerade noch Höchsttemperaturen von 14 Grad stöhnen wir jetzt unter 35 Grad im Schatten bei konstant blauen Himmel. Aber das gefällt uns entschieden besser. Man merkt, dass der Süden dichter besiedelt ist. Die Straßen sind besser und auch sonst sieht alles moderner aus. Die Landschaft hat gewechselt von riesigen Waldgebieten in kilometerweite Felder. Sieht schon beeindruckend aus, wenn man so ein Stoppelacker mit Strohballen sieht soweit das Auge reicht. Besonders auch bei Nacht. Die Strohballen werden oft verbrannt. Bei Nacht sieht es dann aus, als hätte “The Last Day” kräftig gewirkt. Bei Samara stehen wir mal hier und mal dort 2 Nächte immer mit Blick auf die Wolga. Wir legen einen Waschtag ein, lesen viel, Jana näht was und bastelt Ketten und einmal klettern wir auch schon auf unseren ersten Berg. Na gut, wir geben’s ja zu, eher ein kleiner Hügel. Aber die Aussicht war trotzdem schön. Am Ende der 34. Woche finden wir “unser Plätzchen”. Den wir uns allerdings vorher hart erkämpfen. Als wenn wir nicht daraus gelernt hätten. Nein, wir fahren wieder eine Sandnebenstraße beim Dunkelwerden lang. Dieser Weg treibt unseren Adrenalinspiegel wieder hoch. Stockdunkel, 15 km, wir setzen permanent auf. Als wir endlich Lichter sehen, denken wir zuerst wir haben eine geheime, abgelegene Fabrik oder so was entdeckt, so gruselig sieht’s aus. Und beim letzten Schlammloch wären wir auch noch fast steckengeblieben. Glück gehabt! Fast! Als wir endlich wieder Teerstraße unter uns haben, gibt es plötzlich ein komisches Geräusch. Unser kleiner Hobbit hat einen Platten. Der Reifen ist schnell gewechselt. Die Millionen von Mücken, die sich voller Vorfreude auf ein köstliches Abendmahl auf uns stürzen, treiben uns an. Letztendlich hat es sich gelohnt. Wir finden einen kleinen Sandstrand mit Blick aufs weite Wasser. Für uns schon fast ein kleines Paradies, denn es gibt nichts was uns nervt. Das will was heißen: Keine stechenden Bremsen und bunte Fliegen, wie wir sie getauft haben. Und Mücken gibt’s auch kaum. Das Wasser ist klar. Genug Sonne für unser Solarpaneel. Kein mit russischer Popmusik überlautes boxenschanzendes Auto neben uns. Kein stinkender Müll, der den schönen Platz verschandelt. Zu Fuß können wir ins nächste Magasin einkaufen gehen. Und die paar Badegäste, die kommen sind nett und unaufdringlich (wir müssen mit niemanden Wodka trinken!). Abends kommen gelegentlich ein paar Jugendliche vorbei, spielen am Lagerfeuer Gitarre und singen russische Lieder. Und es kommt noch besser. Nach 2 Tagen hat es sich im nahe gelegenem Dorf rumgesprochen, dass wir da sind. Auf dem Weg zum Magasin wurden wir von allen Seiten mit neugierigen Blicken durchbohrt, als wären wir mit einem Ufo daher gekommen. Zuerst begrüßen uns schüchtern ein paar Dorfbewohner, ein paar Kinder lassen sich von Stephan lustige Tricks zeigen. Am 3. Tag begrüßt uns der Bürgermeister (von 3 Dörfern) höchst persönlich. Er kann sogar ein paar Brocken deutsch. Sogleich kriegen wir eine Honigmelone und Äpfel aus dem eigenen Garten geschenkt. Hach, ist das schön in Russland. Er stellt uns seine Tochter und seinen Schwiegersohn, der bei der Miliz ist, vor. Nun fühlen wir uns auf jeden Fall sicher. Jana kann sich den Kommentar, dass Stephan heut Geburtstag hat, nicht verkneifen. So kommt der Bürgermeister abends noch mal wieder und bringt uns von seinen Kühen frische Kuhmilch mit. Dann packt er noch ein großes Stück selbstgefangenen und selbstgeräucherten Fisch aus und weil Stephan Geburtstag hat, noch eine Flasche selbstgebrannten Kirschschnaps. Ja, das nennen wir mal einen sympathischen Bürgermeister! So leeren wir spontan die Flasche, wobei sich Stephan dezent zurückhält. Uns steckt noch der vorletzte Abend in den Gliedern, wo wir uns unbedingt einen hinter die Binde kippen mussten (und in den Geburtstag von Janas Bruder reingefeiert haben). Das war ja auch alles ganz toll. Aber während wir so in den Sternenhimmel blickten und darüber wild rumphantasierten wie es wohl auf den einen oder anderen Planeten aussehen würde, wurde uns immer schlechter. Nein, 40%iger Wodka ist nichts für uns. Nach nächtlichen Streifzügen beschlossen wir: Nie wieder Wodka! Ja und deshalb waren wir erst mal froh, dass der Bürgermeister nur Kirschschnaps mitgebrachte hatte, obwohl der auch schon gut war. Ein “Nein danke” hätte er nicht akzeptiert. Während wir also das Fläschchen so leerten, kam unser Gespräch auf die Banja. Die Banja ist typisch für Russland. Ähnlich einer Sauna, vielleicht noch etwas heißer. Sie befindet sich in einem eigens dafür gebauten Häuschen separat neben dem Wohnhaus befindet. Während des Saunaganges wird sich gegenseitig mit Birken- oder Eichenblätternsträußen zur besseren Durchblutung aufs Fell gekloppt. Stephan wollte das schon mal ganz gerne ausprobieren. Kein Problem! “Morgen 19 Uhr”, meint der Bürgermeister. Ach, da war die Freude groß. Bei 35 Grad im Schatten tagsüber geht man doch gerne abends in die Banja. Jana lehnt nicht ohne ein bisschen Schadenfreude dankend ab. Am nächsten Tag besorgen wir uns tagsüber 2 neue Reifen für unseren Hobbit in Samara, supergünstig! Abends holt uns der Bürgermeister, Feodor, ab. Zuerst geht Stephan mit dem Bürgermeister in die Banja. Nach einer Stunde kommt er völlig erschöpft aber glücklich wieder. Jana kommt nicht drum rum. Sie muss auch, mit Ludmilla, der Tochter. Tja, zu früh gefreut. Aber so eine Banja ist schon ein Erlebnis. Das Bier, welches man in der Banja trinkt, wird auch schon mal als Aufguss genommen. Das ergibt einen leckeren Geruch nach frisch gebackenem Brot. Wir haben eine Menge Spaß. Nach der Banja werden wir noch zum Essen eingeladen. Es wird reichlich aufgetischt. Gemüse aus dem eigenen Garten und Sauerrahm und Butter aus eigener Herstellung. Wieder entdecken wir was leckeres: panierte junge (!) Auberginen mit Knoblauch und Tomate. Zum Abschied gibt’s eine große Tüte mit Gemüse aus dem Garten und noch ne Flasche frischer Milch. Schöner Abend!

Wir bleiben die ganze Woche an diesem Platz. Werden gelegentlich vom Bürgermeister mit Gemüse-Nachschub versorgt. Am Wochenende soll es ein Festival zum Sommerende geben. Da bleiben wir natürlich, um uns das Spektakel anzusehen. Das erwies sich allerdings als ein Reinfall. Zu Hause gehen wir nicht mal zum Schützenfest geschweige denn zu einer Verkaufswerbeveranstaltung. Denn genau das erwartete uns. Eine Handyfirma verloste alle 10 min eine neue Telefonkarte nicht bevor die Teilnehmer doofe Spielchen machen mussten. Dazwischen sang so ein richtig obercooler Möchtegern-Frauenschwarm schlechte Lieder. Aber zumindest waren die Showtanzeinlagen nett anzusehen. Wir haben uns recht früh aus dem Staub gemacht. Am Sonntag sagten wir good bye. Es war ein schönes Plätzchen, jetzt aber waren wir hungrig auf neue Erlebnisse und machten uns Richtung Orenburg auf den Weg. Zwischenstop zur Übernachtung machten wir in einer kleinen Stadt. Hier half uns am Ortseingang gleich die Polizei als wir auf der Suche nach einem Internetcafe waren. Sie chauffierten uns zu dem einen Polizisten nach Hause, wo uns der Sohn seinen Internetanschluss zur Verfügung stellte. Nach 2 Wochen Internetentzug hatten wir eine Menge zu lesen. Es ist schön, wenn so viele an einen denken. Stephan freute sich über die vielen Glückwünsche. Nur zum lesen brauchten wir schon eine halbe Stunde. Das Beantworten verschoben wir auf später. Sergej, der Sohnemann, zeigte uns noch eine Wasserstelle, wo wir unseren Wasservorrat auffrischen konnten. Wir dankten ihm für die große Hilfe und machten in der Stadt noch einige Besorgungen. Jana nutzte die Gelegenheit, um mal kurz ein paar Freunde (lieben Gruss an Jenny, Harry und Puckie) anzurufen.

Bei der Gelegenheit wollen wir auch mal allen Juli- und Augustgeburtstagskindern nachträglich gratulieren: Puckie, Janas Omi, Stephans Opi, Sabine, Anja, Michael, Bernadette, Christin, Lars & Ilka, Tanja, Hardy, Astrid, Dirk und Tobi. Wir haben an Euch gedacht und teilweise auch ordentlich mitgefeiert. Wir hoffen, Ihr hattet einen schönen Tag. Wir denken an Euch und haben Euch lieb.