Traumreise  
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  2013 Indonesien
2008-2009 Spanien
2006-2007 Westeuropa-Marokko
2004-2005 Indien
2004  Russland - Kasachstan

  KW 44 - Typisch Iran



Wir genießen die schöne Landschaft, durch die wir fahren. Oft halten wir an, nur um uns umzuschauen oder machen spontan ein Picknick. Wir kommen in eine kleine Stadt. Auch hier tragen die Menschen wieder seltsame Kleidung. Und wieder gibt es viele alte Landcruiser. Beim Einkaufen werden wir von einer Menschentraube umzingelt. Einer spricht uns auf englisch an, alle wollen zuhören und gucken uns mit strahlenden Augen an. Man stelle sich so eine Situation in Deutschland vor! Ha ha! Wir bummeln durch die Stadt und schauen in kleine Handwerksläden. Während wir die örtliche Teppichreinigung (siehe Foto) bestaunen, lädt uns der alte Mann, der den Laden betreibt, zum Tee ein. Wir gehen über den Hof in sein Haus. Hier empfängt uns mit einem warmen Lächeln seine Frau. Sie freuen sich sehr über unseren Besuch. Wir bekommen Tee, Obst und viele Leckereien. Sie selbst nehmen wegen Ramadan nichts und bitten uns, niemanden davon zu erzählen. Wir sind eben nun in einer ländlichen Gegend. Während wir Tee trinken, deutet die Frau auf ein gemaltes Porträt an der Wand. Es ist ihr Sohn. Gefallen im Irak. ... Wir sind betroffen und bedauern wieder, dass wir kein Wort Farsi können. Die Stimmung ist gedrückt. Wir sehen, dass das Ehepaar niedergeschlagen ist und mit den Tränen kämpft. Wie können wir uns dabei den Bauch voll schlagen? Wie gern würden wir ihnen etwas sagen, das Trost spendet. Aber was kann man schon sagen, wenn der einzige Sohn im Krieg stirbt? Und wie ohne Sprachkenntnisse? Trotzdem möchten wir ihnen etwas geben. Beim Abschied nimmt Jana die Hand der alten Frau und sagt ihr einige liebe tröstende Worte. Obwohl auf Deutsch scheint die Frau die Worte zu verstehen. Sie nimmt Jana ganz fest in den Arm und gibt ihr links und rechts einen Kuss. Auch beim Rausgehen lässt sie Janas Hand nicht mehr los. Der alte Mann indessen küsst Stephans Hand und verbeugt sich immer wieder leicht vor uns. Wir alle haben Tränen in den Augen. Ein kurzes aber intensives Treffen, über das wir noch lange nachdenken.

Wir wollen zu einem großen See, wo wir ein paar Tage ausspannen und das schöne Wetter genießen wollen. Ab und zu brauchen wir eine Pause, um die vielen Ereignisse zu verarbeiten und uns von der Fahrerei zu erholen. ‚Damit die Seele hinterherkommt!‘ Der See soll schon schön. Ist er auch. Aber anders als wir erwartet haben. Die Landschaft um den See ist kahl. Dafür ist das Ufer des Sees wunderschön. Der See ist so salzig, dass das ganze Ufer von Salzkristallen übersät ist. Sogar das Wasser glitzert. Als wir weiterwollen, treffen wir Peter aus Österreich, der gerade auf dem Weg in die Türkei ist. Spontan fahren wir noch mal an den See und quatschen den ganzen Tag. Er erzählt uns, dass wir uns in Kurdistan befinden. ‚Aha, deshalb haben die Leute hier so andere Klamotten an.‘ Und er kennt sich in der Türkei aus und macht uns sehr neugierig. Wir kriegen von ihm eine Karte und viele Tipps. ‚Prima, das passt ja wieder!‘ denken wir uns, da wir uns ja entschlossen hatten, über die Türkei weiterzumachen. Das Treffen mit Peter bestärkt unser Gefühl, den richtigen Weg zu gehen.

Während wir weiter Richtung Türkei fahren, denken wir, dass das noch nicht alles vom Iran gewesen sein kann. Irgendetwas hindert uns, das Land jetzt schon zu verlassen. In Tabriz sitzen wir in einem Internetcafe und Stephan bekommt plötzlich wieder so ein komisches Gefühl oberhalb der Nase. Das bekommt er immer, wenn wir an unserem Stellplatz Besuch bekommen. Und je stärker das Gefühl, um so größer oder länger ist der Besuch. Wir können es uns in diesem Moment nicht erklären. Als wir abends einen Stellplatz gefunden haben, ist das Gefühl mittlerweile schon so stark, dass Stephan davon Kopfschmerzen bekommen hat. Keine Ahnung, woher das stammt. Wir tun es als Stressreaktion ab. Als wir dann Abendbrot essen, kommt ein Moped mit 2 Jugendlichen vorbei. Sie sprechen uns an, aber wir können uns nicht verständigen. Sie fahren wieder, deuten uns aber an, dass wir hier bleiben sollen. Nun gut, gucken wir mal. Sie kommen wieder und bringen uns frisches Brot, Früchte und deftigen Fetakäse mit. Und sie machen Andeutungen von Tee und schlafen. Ja, hm, sollen wir jetzt mitkommen oder was?! So ein Mist, dass man die Sprache nicht kann! Nein, nein, wir sollen hier bleiben. Sie fahren wieder weg und bringen beim nächsten Mal gleich mehrere Tüten und im Schlepp eine Menge Astwerk mit. Mittlerweile zu dritt machen sie für uns ein Lagerfeuer und kochen für uns Tee. Och, das ist ja romantisch! Sie breiten eine Decke aus, wir sollen uns setzen. Sie selbst setzen sich auf den Sand. Wir können sie nicht überzeugen, sich auf die Decke zu setzen. Und sie packen noch mehr aus. Jede Menge Süßigkeiten, Nüsse, Chips und warme gebackene Kartoffeln. Als das Holz zur Neige geht, wollen sie wieder losfahren. Oh, bitte doch nicht so einen Aufwand für uns! Aber da sind sie schon weg. Diesmal dauert es bis sie wiederkommen. Und sie kommen nicht allein. Neben zwei Motorrädern kommt nun auch ein Auto, in dem sich eine Großfamilie befindet. Alle steigen sie aus und schütteln uns die Hände. Wir sollen mitkommen. ‚Och, schade und das Lagerfeuer?‘ Blitzschnell wird das Essen zusammengepackt und wir folgen der Truppe. Wir fahren in ein Dorf, wo wir von weitem ein Feuer leuchten sehen. Mensch, ist ja Wochenende hier (Freitag ist im Iran Sonntag)! Die nehmen uns jetzt bestimmt mit zum Dorffest! Irrtum! Das Dorffest entpuppt sich als riesigen Feuer, an dem sich genau zwei freie Sitzplätze befinden. Als wir ankommen, werden wir gleich von mehreren Leuten umringt, die uns bitten Platz zu nehmen. Und sogleich wird reichlich Essen aufgetischt. Oh Gott, dieser ganze Aufwand ist nur für uns! Wir können es nicht glauben. Stephan und ich gucken uns nur an: Okay, soviel zum Thema Besuch kriegen! Obwohl wir eigentlich schon satt sind, essen wir noch was mit. Stephan raucht etwas Wasserpfeiffe mit, aber rauchen ist auch auf dieser Art nichts für ihn. Neben Jana setzen sich ein paar Frauen in großen Tüchern gehüllt. Keiner spricht englisch. Wir versuchen uns mit Händen und Füssen zu verständigen. Es ist für uns ein überwältiger Abend. Wir werden von Aziz zum Übernachten eingeladen. Hier bekommen wir eine Riesenschale Früchte serviert. Nicht schon wieder essen! Aziz Haus besteht neben der Küche und Abstellraum aus einem riesigen Raum (ca. 120 m²), der vollständig mit Teppichen ausgelegt ist. Außer einer Schrankwand gibt es keine Möbel. Gegessen und geschlafen wird auf dem Fußboden. Zum Schlafen wird uns Bettzeug in den großen Raum gebracht. Die große Familie selbst schläft in der Küche und im Abstellraum. Das ist uns total unangenehm. Aber wir seien schließlich Gäste. Wir werden eingeladen, länger zu bleiben. Wenn wir Lust haben, gleich 3 oder 5 Tage. Wir beschließen, die Gastfreundschaft für eine weitere Nacht anzunehmen. Und so genießen wir zwei tolle Tag in diesem Dorf, sind mal bei der einen mal bei einer anderen Familie und immer wird uns reichlich Essen aufgetischt und Tee getrunken. Nach einem ausgiebigen Picknick und einem kleinen Abschiedgeschenk, ein handgewebter Miniteppich, geht es für uns weiter. Wir haben die iranische Gastfreundschaft sehr genossen und jetzt haben wir auch das Gefühl, den Iran ein wenig besser kennen gelernt zu haben.

Während wir einige Besorgungen in einer Stadt machen, treffen wir den Geschäftsführer einer Touristikinformation. Wir kommen kurz ins Gespräch und als wir ihm von unseren ursprünglichen Plänen unserer Reise berichten, erzählt er uns, dass die Grenze zwischen Pakistan und Indien zu ist. Für uns wieder ein Zeichen, den richtigen Weg zu gehen. Wir sind froh, nicht in Richtung Pakistan gefahren zu sein.

Wir machen uns auf in Richtung Türkei. In der Nähe der Grenze ist plötzlich ein Militärposten. Hier geht’s nicht weiter. Wir müssen einen anderen Weg über die Grenze nehmen. Da sich die Nacht nähert, suchen wir uns ein Plätzchen. Wir haben auf der Fahrt ein kleines Lehmdorf gesehen. Hier wollen wir fragen. Irgendwas stimmt in diesem Dorf aber nicht. Sind wir zu dicht an der Grenze? Ist es zu gefährlich hier im Kurdengebiet? Wir sehen keinen einzigen Erwachsenen, nur Kinder. Gut, warten wir es mal ab. Als die Kinder anfangen mit Steinen nach unserem Auto zu schmeißen, wird es uns zu bunt. Unser Gefühl stimmt ganz und gar nicht, also fahren wir weiter. Mittlerweile ist es stockdunkel und es ist schwierig, einen Platz zu finden. Wir beschließen, am Rande der nahe gelegenen Stadt zu übernachten. Hier nimmt uns ein älterer Herr freundlich auf und spendiert auch noch ein Abendessen. Nun fühlen wir uns weitaus sicherer.

Am Sonntag passieren wir die Grenze zur Türkei. Und wieder überrascht uns die iranische Grenze. Bei dieser hatten wir mit den stärksten Kontrollen überhaupt gerechnet. Stattdessen wird lediglich unser Carnet de Passage abgestempelt und ein Herr fragt uns ausführlich, wie es uns im Iran gefallen hat. Und das wars! Beide Grenzen passieren wir innerhalb von 1,5 Stunden. Das ist Rekordzeit. Und so schaffen wir es noch, eine Weile durch die Türkei zu fahren. Wir befinden uns noch im Kurdengebiet und alle 20 min passieren wir einen Kontrollposten, die bis an die Zähne bewaffnet sind. Aber viel beeindruckender ist die Landschaft. Riesenberge, auf deren Gipfel Schnee liegt. Einmal passieren wir einen Pass in 2600 m Höhe. Und in den Tälern legen wir oft eine Pause ein siehe Fotos). Die erste Nacht in der Türkei verbringen wir an einem riesigen See mit wunderschönen Bergen im Hintergrund. Die Landschaft hier überwältigt uns total.