Traumreise  
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KW 51 - Endlich in Indien

Die 48.-50. Woche lassen wir in unseren Reiseberichten aus. Wir waren in Deutschland, haben Freunde und Verwandte wieder gesehen. Bei allen, bei denen wir nicht waren oder uns nicht gemeldet haben, bittet entschuldigt! Die Zeit ging einfach viel zu schnell vorüber. Am 15.12.2004 mittags flogen wir nach Delhi, Indien.

Endlich in Indien! Auf dieses Land waren wir so gespannt. Hier wollten wir so viele Dinge machen, Gleichgesinnte treffen und vieles lernen, so hofften wir. Zuerst allerdings tappten wir in eine typische Touristenfalle. Und das obwohl wir bereits davon gehört hatten. Aber scheinbar kommt da kein Tourist in Indien drum rum. Wir landeten nachts um 3.15 Uhr. So, nun zur Hotelsuche. Tja, welchen von den wartenden "Geiern" könnte man vertrauen? Wir nahmen irgendein Taxi. Der Fahrer klapperte mit uns einige Hotels ab, die angeblich alle voll waren. Letztendlich brachte er uns in das Hotel, wo er seine Provision für die "Anlieferung neuer Touristen" bekam. Diese Vorgehensweise war uns bekannt, aber uns völlig egal. Wir wollten nur ein Bett. Nur bei dem Preis… ?! Wir mussten handeln. Der Portier wollte 35 $ für die Nacht und Check out war um 12 Uhr. Wir zahlen doch keine 35 $ für 7 Stunden! Letztendlich konnten wir 2 Nächte für 40 $ rausschlagen, was mit Sicherheit immer noch zu teuer war. Aber Hotels abklappern und Preise vergleichen, dazu waren wir viel zu müde. Tags darauf wollten wir uns um die Zugfahrt nach Goa kümmern und wurden gleich in der Hotellobby abgefangen. Sie bräuchten Kopien von unseren Reisepässen! Während wir warteten, kam auf einmal ein Herr von einem Tourismusbüro, der uns helfen wollte. Unsere Pässe bekamen wir zurück und natürlich ohne dass Kopien gemacht wurden. So, so, schauen wir mal, was da kommt. Wir wurden von dem netten Herrn in sein Tourismusbüro chauffiert. Da wir uns weder in Delhi noch mit den Begebenheiten in Indien auskannten, nahmen wir die Hilfe erst mal an. In dem Büro telefonierte ein anderer Herr nach Zugverbindungen für uns. Auch davon hatten wir schon davon gehört. Es werden dabei immer irgendwelche Bekannten angerufen, die sich dann als die Bahn ausgeben. Und natürlich sind alle Züge von Delhi nach Goa voll. Wie auch in unserem Fall. Der gute Mann schlug uns dann eine Route mit allerhand Sehendwürdigkeiten vor … zu einem Horrorpreis. Wir wollten uns dann irgendwann selbst am Bahnhof erkundigen, es wurde jedoch schon Abend. Wir wurden hektisch, weil wir Delhi auf jeden Fall am nächsten Tag verlassen wollten. Letztendlich haben wir uns bequatschen lassen. Die Routen wurden immer kleiner und immer günstiger. Der gute Mann stellte es so dar, dass wir gar keine andere Wahl hätten und natürlich sind wir voll drauf reingefallen. Nach stundenlangem Debattieren ließen wir uns auf folgendes ein: Wir werden persönlich von einem Fahrer nach Agra gefahren. Schauen uns das Taj Mahal an. Übernachten dort und fahren am nächsten Tag von dort mit dem Zug nach Goa. Der Fahrer wird bis dahin unser Guide sein und uns Agra noch etwas zeigen… und das zum unschlagbaren Superpreis von 155 Euro pro Person! Wir hatten eigentlich keinen Bock soviel Kohle dafür auszugeben. Aber wir redeten es uns ein bisschen schön: So können wir das Taj Mahal sehen und müssen uns bis Goa nicht weiter mit der Organisation unserer Reise kümmern. Die Zeitumstellung (5,5 Std.) machte uns etwas zu schaffen und wir wollten uns noch etwas ausruhen. Aber ein gutes Gefühl wollte sich bei uns nicht einstellen. Wir fühlten uns völlig überrumpelt. Wir bummelten noch etwas durch Delhi und ließen die Fremdartigkeit auf uns wirken. Wir aßen etwas am Straßenrand. Köstlich! Indien ist ein Land für Vegetarier!

Pünktlich um 9 Uhr holt uns unser Fahrer am Freitag ab. Während der Fahrt bis Agra hören wir indische Musik, immer die gleiche (bitte ein Kitkat!) und lassen die Landschaft auf uns wirken. Der Fahrer erzählt uns, dass wir diesen Monat bereits die 4. Ausländer wären, die er nach Agra begleitet. (aha, so oft war also der Zug ausgebucht?). Wir kommen in einem nobleren Hotel an, wo uns gleich 3 Pagen unsere Rucksäcke tragen, uns unser Zimmer zeigen und selbstverständlich alle 3 die Hand dafür aufhalten. Wir schütteln ihnen dankend die Hände. Sehr freundlich! Nachdem wir uns etwas ausgeruht haben (der Jetlag macht uns noch zu schaffen) holt uns unser Fahrer ab. Ein Freund von ihm erzählt uns jetzt etwas über die Geschichte vom Taj Mahal. Aha! Wir landen bei einem Marmorladen. Hier wird uns gezeigt, wie in aufwendiger Handarbeit bunte Steine in Marmor eingefasst werden, was wirklich interessant ist. Und so wurde es auch beim Taj Mahal gemacht. So viel zur Geschichte. In dem Marmorladen werden uns dann wunderschöne Gegenstände gezeigt, die man alle kaufen kann. Wir kommen uns vor wie bei einer Kaffeefahrt. Leider ist mit uns kein Geschäft zu machen. Die Sachen sind zwar wunderschön, aber was sollen wir damit? Nicht mal eine kleine Dose kaufen wir. Darüber scheint unser Fahrer etwas eingeschnappt zu sein. Ist uns egal. Wir haben Hunger und wollen etwas am Straßenrand essen. Nein, der Fahrer lässt nicht mit sich reden. Wir sollen in ein Restaurant von seinem Freund. Stecken die hier eigentlich alle unter einer Decke? Dafür ist das Essen dort wirklich unglaublich lecker! Ja, die indische Küche gefällt uns bisher voll und ganz. Die Nachtruhe allerdings ließ etwas auf sich warten. Auf dem Flur gibt es ein Servicetelefon, das ununterbrochen klingelt. Irgendwann läuft Jana hin und reißt heimlich die Schnur raus. Hält allerdings nur ne Stunde. …. Der Beginn der wundersam ruhen Nächte in Indien!

Am nächsten Morgen geht's zum Taj Mahal. Nur leider ist von diesem schönen Gebäude nicht viel zu sehen, da draußen die reinste Suppenküche herrscht: Nebel! Schade! Trotzdem haben wir reichlich Spaß. Wie gewinnt man in Indien in kürzester Zeit die meisten Freunde? Man färbe sich die Haare pink. Und so wird Jana bald mehr fotografiert als das Taj Mahal, das man ja eh nicht sehen kann. Da ein Fußballmannschaft, da ein kleines Mädchen, das Jana in die Wange kneift und meint: So sweet! Viele fragen, ob das Janas Naturfarbe ist. Ja klar! Einfach herrlich! Und während wir uns auf den Rückweg machen verzieht sich der Nebel ein wenig, so dass wir doch noch einen Blick erhaschen können. Unser Fahrer wartet schon ungeduldig. Nein, Frühstück gibt's noch nicht. Erst noch einen anderen Laden ansehen. (grummel) Hier wird uns ebenfalls wirklich schön Handarbeiten mit indischer Stickerei gezeigt. Tolle Handtaschen und Schatullen! Aber wir kaufen wieder nichts. Ja toll, denken wir, dass alles bis Goa organisiert ist, aber wir fühlen uns in unserer Entscheidungsfreiheit mehr als eingeschränkt. Wir haben Hunger. Der Fahrer bringt uns noch mal zu dem Marmorladen. Nur zu einem Chai! Okay, wir diskutieren ja nicht mehr. Vor dem Laden essen wir erstmal Frühstück. Das es dazu Tee gibt, freut uns natürlich. Auch dieses Mal kaufen wir nichts. Enttäuscht bringt uns unser Fahrer zum Zug. Wir bekommen unsere Tickets und der Fahrer möchte zum Abschluss noch ein Trinkgeld haben, das nicht von schlechten Eltern ist. Da ist bei uns dann aber endgültig Schluss. Er macht ein auf Tränendrüse. Er sei so arm und würde von dem Tourismusbüro kein Geld kriegen. Er kriegt von uns lediglich ein kleines Trinkgeld, von dem er sichtlich enttäuscht ist und bettelt weiter. Keine Chance. Der Fahrer ist inklusive der 155 Euro. Wir haben die Nase voll, dass jeder hier unsere Kohle haben will. Andauernd rumgereicht werden: ‚Ach hier, lieber Tourist, können Sie auch noch etwas Geld lassen.' Wir sind froh endlich im Zug zu sitzen und diese Aktion endlich hinter uns zu haben. Wir freuen uns auf unsere wieder gewonnene Unabhängigkeit. Nie wieder gehen wir in ein indisches Tourismusbüro!

Während wir noch am Bahnhof auf unseren Zug warten, bekommen wir das erste Mal die Armut in Indien zu spüren. Bettelnde Kinder und alte Leute. Es ist schwierig mit dieser neuen Situation umzugehen. Kleine Kinder, die Kunststückchen am Bahnsteig vorführen und dafür Geld einsammeln. Uns erschreckt es, den Kleinen macht es aber anscheinend Spaß. Nach 3 Stunden Verspätung kommt endlich unser Zug. Uns erwarten 33 Stunden Zugfahrt (Schlafwagen) mit Fenster, durch die man nicht durchgucken kann. Trotzdem wird es ziemlich lustig. Im Zug kann man Essen bestellen. Wir probieren es einmal aus: So scharf, dass uns der Schweiß aus den Poren rinnt. Harry würde es lieben. Andauernd kommen Tee- und Kaffeeverkäufer vorbei. An jeder Station steigen kurzzeitig Händler ein, die die komischsten Sachen verkaufen. Mit den beiden Mädchen, die neben uns sitzen spielen wir Karten und Rummikub. Mit unseren indischen Nachbarn reden wir viel und so lernen wir schon viel von indischen Geflogenheiten kennen. Die Zeit vergeht schnell. Sonntag Nacht kommen wir in Goa an. Wir freuen uns auf eine schöne heiße Weihnachtszeit.