Traumreise  
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  2013 Indonesien
2008-2009 Spanien
2006-2007 Westeuropa-Marokko
2004-2005 Indien
2004  Russland - Kasachstan

 

KW 01 2005 - Indische Art

Bevor wir uns mit unserem Bike gen Süden aufmachten, mussten wir noch einige Dinge erledigen. Zuerst hieß es, Sachen zurückschicken. Wir hatten zu Hause wirklich nur das Notwendigste eingepackt. Aber die Rucksäcke waren viel zu schwer, um damit einfach reisen zu können und schon gar nicht mit unserem Motorrad. Immerhin schafften wir es, unser Gepäck um 14 kg abzuspecken. Wenn man erst mal unterwegs ist, merkt man wie wenig man tatsächlich braucht. Wenn wir auf den Start unserer Reise zurückblicken mit unserem voll beladenen Auto und es mit dem, was wir jetzt bei uns haben, vergleichen… das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Auf immer mehr Dinge konnten wir locker verzichten. Man braucht nicht viel zum Leben. Wozu muss man für alle Eventualitäten vorsorgen, die dann sowieso nicht eintreffen? Aber dieses Phänomen ist bedingt durch das Sicherheitsbedürfnis, mit dem man groß geworden ist. Auf Reisen stellt sich dann raus, was man wirklich braucht im Hier und Jetzt. Und wenn man dann etwas braucht, was man nicht mitgenommen hat, ist das kein Problem. Besonders in Asien sind fast alle Dinge weitaus billiger als in Deutschland. Für uns ist die Feststellung, was wir tatsächlich zum Leben brauchen, eine wertvolle Erfahrung auf unserer Reise geworden.

Thema brauchen: Was wir brauchten, bevor wir losfahren konnten, waren Helme. Die waren auch schnell gefunden: 2 Helme - 12 Euro, da kann man doch nicht meckern, oder? Es ist hier aber auch alles schweinebillig in Indien! Da kommen einem die wildesten Händlerphantasien.

Unseren letzten Tag in Arambol verbrachten wir am Strand. Noch einmal relaxen. Mittlerweile war ganz schön was los hier. Viele Pauschaltouristen wurden aufgrund des Erdbebens nach Goa umgeleitet. Ein leeres Zimmer zu finden war schwierig und am Strand tobte das Leben. Es war richtig schön. Da wurde Gitarre gespielt und irre viele Leute übten mit ihren Pois einschließlich uns. Besonders ein Mädchen erregte unsere Aufmerksamkeit. Die hatte es echt gut drauf. Wow! Vielleicht konnte sie uns etwas zeigen. Niki aus Großbritannien gab Pois-Unterricht. Das passte. Wir verabredeten uns mit ihr für den nächsten Tag für eine weitere Stunde Poislehrgang. So blieben wir einfach einen Tag länger. An unserem wirklich letzten Tag lernten wir dann komischerweise so viele Leute kennen wie sonst in einer Woche nicht. Auch unsere Poisstunde war ein voller Erfolg. Niki war eine hervorragende Lehrerin. Wir lernten viel mehr als in unserer ersten Stunde mit Sunny. Wir übten noch den ganzen Abend am Strand. Saßen in einer Bar, quatschten mit Leuten, die ebenfalls nebenbei mit Pois oder Feuerstab übten. Es war ein schöner Abschluss von Goa.

Dann starteten wir unsere Weiterreise durch Indien mit unserem neuen Motorrad. Es war schon aufregend. Eine neue Ära unserer Reise brach an. Vor einem halben Jahr hätten wir jedem einen Vogel gezeigt, der uns das vorausgesagt hätte. Mit dem Motorrad, nie im Leben! Voll unbequem zu reisen, man ist Wind und Wetter ausgesetzt, muss ständig auf seine Sachen aufpassen, immer auf Hotel angewiesen oder muss immer sein Zelt aufbauen usw. … NA UND?! Dann machen wir es eben so, scheiss-egal! Wir hatten da voll Bock drauf. Und bei der Hitze war der Fahrtwind einfach genial. Wir hatten keine Ahnung, wohin wir wollten. Überhaupt kein Ziel, wo wir abends sein wollten. Wir sind einfach losgefahren. Es wird sich schon was finden. Unterwegs trafen wir noch 2 Verrückte, die mit einer Royal Enfield unterwegs waren. Sie wollten nach Gokarna. Mensch, davon hatten wir doch schon mal was im Internet gelesen. Also fuhren wir da auch hin.

Gokarna überraschte uns. Es wimmelte nur so von Pilgern. Viele trugen schwarze Tücher um die Hüften, andere orange oder weiß. Die Pilger in den schwarzen Tüchern kamen in Gruppen in großen Autos. Wir dachten, dass Pilger gemächlich reisen würden, zu Fuß und ohne viel dabei, pilgern eben. Das tun viele auch, nur nicht die mit den schwarzen Tüchern. Der moderne Pilger fährt oder besser gesagt rast mit buntgeschmückten Auto von einer Pilgerstätte zu nächsten natürlich nicht ohne dabei die ganze Zeit lautstark zu hupen. Von diesen bunten Autos standen nun einige am Strand. Die Sonne ging gerade unter und am Strand fanden regelrechte Zeremonien statt. Es wurde gebadet, die Kleidung gewaschen und geklatscht als die Sonne unterging. Der gemeine Inder sowie erstaunlicherweise die Pilger lieben es Fotos zu machen von sich, gern auch mal mit Ausländern. Und schon waren wir von einer Horde Pilger (die mit den schwarzen Tüchern) umgeben, die alle mit uns auf einem Foto sein wollten. … ja, ein sehr interessanter Ort. Wir blieben gleich 2 Nächte. Der Ort war so, wie man sich Indien vorstellt. Überall alte Häuser und kleine Läden. Es hätte auch das Jahr 1905 und nicht 2005 sein können. Der Ort gäbe eine phantastische Filmkulisse ab. Neben den Pilgern hatten wir interessante Begegnungen mit einer Sanskritlehrerin und einem alten Mann. Sanskrit ist eine oder vielmehr die älteste indische Sprache. Wir bekamen gleich Unterricht. Bevor wir uns aber die Zunge brachen, gesellte sich ein alter Mann zu uns, der uns etwas über seine Religion erzählte. Den Namen des Gottes, unaussprechlich. Interessant die Glaubenssätze, die waren: Fühlen, Essen, Ausruhen und Sex. Das sei das, was im Leben am wichtigsten ist und für das gleichermaßen immer gesorgt sein sollte. … Gokarna, für uns ein besonderer Ort.

Bevor wir weiter gen Süden fuhren, machten wir einen Abstecher zu den Jog-Wasserfällen. Und das lohnte sich wirklich, siehe Fotos. Da die Landschaft wunderschön war, beschlossen wir, hier zu zelten. Das erste Mal in Indien. Wie wir das früher schon mit unserem Auto gemacht haben, fragten wir einfach bei einer Familie an. Sie waren anfangs etwas skeptisch, aber viel zu neugierig, um abzulehnen. So hatten wir noch eine ganze Weile Besuch. Uns wurden die typischen Fragen gestellt, woher wir kamen, wie wir heißen und was unser Job ist. Und dabei immer große, begeisterte Augen. ‚Guck mal, Mami, Ausländer!' Und gekichert wird dabei auch jedes Mal, als wären wir Affen im Zoo. Nein, wir sind Brad Pitt und Julia Roberts! Obwohl so viele Ausländer Indien bereisen, trifft man doch überall verwunderte, neugierige Augen, die einem alle ein "Hallo, how are you?" usw. zurufen. Die Leute bleiben stehen, lassen ihre Arbeit liegen, tuscheln und drehen sich alle nach einem um. In Geschäften wird man bevorzugt behandelt. Sie freuen sich einfach, dich zu sehen.