Traumreise  
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KW 05 2005 - Im Ashram von Amma

Was für uns mindestens genauso bedeutend ist, sind die Begegnungen mit den Menschen im Ashram. Beim Essen sitzt man zusammen und kommt schnell ins Gespräch. Wir saugen die Gespräche auf wie einen trockenen Schwamm. Endlich Gleichgesinnte! Es macht Spaß sich auszutauschen. Wir merken, dass sie alle auf der Suche sind wie wir. Die Frage: Da muss es doch noch mehr geben?, stellt sich uns gar nicht mehr. Es gibt mehr! Den ganzen Tag drehen sich die Gespräche um Spiritualität. Die vielen Erfahrungen und Erkenntnisse wiederzugeben ist einfach unmöglich. Es wühlt uns so auf, dass wir den ganzen Tag mit uns selbst beschäftigt sind. Wir schaffen gerade noch den täglichen 2-stündigen Seva-Dienst (gemeinnützige Arbeit).

Ein paar Begegnungen wollen wir genauer beschreiben. Wir melden uns zu einer Therapiestunde (für körperliche Beschwerden) bei Devananda an. Devananda ist ein alter japanischer Heiler, der mit Energien die Selbstheilungskräfte aktiviert. Wir sind gespannt. Stephan hat schon lange Rückenprobleme, die auch nicht durch die Massagetherapie in Goa wegging. Und ich will mal schauen, was er bei meiner Allergie machen kann. Die Therapie geht eine Stunde. Es läuft Meditationsmusik und wir sitzen mit geschlossenen Augen. Wir fühlen wie der alte Herr mit den Händen um uns rumwedelt. Während dieser Stunde merkt Stephan deutlich ein angenehmes Prickeln an der schmerzenden Stelle im Rücken. Bei mir kribbelt die Nase, verändert sich die Atmung, ich kriege schwer Luft, dann wieder leicht, die Augen jucken – eben alle Symptome einer Allergie aber nur sehr leicht. Gleichzeitig arbeitet es in meinem Kopf. Es scheint so, als würde sich meine Haltung gegenüber der Allergie ändern. Wir sind beide beeindruckt. Da ich meine Allergie allerdings schon so lange habe, müsste ich eine längere Therapie in Kauf nehmen. Aber nach dieser Therapiestunde bin ich optimistisch, dass ich dieses Problem irgendwann irgendwie lösen werde.

Und die für uns wichtigste Begegnung ist Andreas. Wir lernten ihn schon am 2. Tag im Ashram kennen. Wie sollen wir ihn beschreiben? Niemals zuvor haben wir jemanden wie ihn getroffen. Andreas hat Fähigkeiten, die wir mit unserem rationalen Verstand früher in Deutschland als absurd eingestuft hätten. Was der Verstand nicht erklären kann, stimmt eben nicht. Da wir uns aber seit einiger Zeit spirituell interessieren, sind wir neugieriger und offener geworden. Andreas sagt von sich, er ist Heiler. Er hilft den Menschen, ihre Ängste, Blockaden, Zwänge und inneren Kämpfe etc. loszuwerden. Also ein Psychodoktor? Nicht ganz. Denn in den Therapiestunden (Sessions) mit ihm, wirkt er als Kanal. Wenn man in Psychotherapien lange auf ein Problem hin arbeitet, so spricht Andreas sie direkt an. Er erkennt sie sofort, denn er hat, nennen wir es mal, hellseherische Fähigkeiten. Hört sich unglaublich an und man versucht, so wie wir auch, für alles eine Erklärung zu finden. Aber Andreas überrascht uns immer wieder. Als wir uns kennen lernen, erzählt er uns gleich etwas über uns. Wie wir sind und wie wir zueinander stehen. Und uns fällt die Kinnlade runter. So kleine Details, die nicht nur von reiner Menschenkenntnis herrühren können. Hä, das kann der doch gar nicht wissen?! Und er spricht vom Göttlichen, der Seele, den Energien, Chakren etc. Manches klingt für uns schon ein bisschen abgedreht. Aber immer wieder überzeugt er uns mit Wahrheiten, …… wir sind mächtig verwirrt. Wie ist das möglich?

Wir treffen uns am nächsten Morgen im Tempel zu einer Puja (eine heilige Zeremonie). Und Andreas sagt uns wieder, was in uns vorgeht, wie unsere Gedanken aussehen. Wir sind neugierig geworden und wollen eine Session mit ihm. Zuerst ist Stephan dran. Er hat uns zu 100 Prozent versprochen, dass unsere tiefsten Erwartungen bei weitem überschritten werden, und ich kann schon mal soviel sagen, er hat nicht gelogen. Ich bin beim Darshan und muss die ganze Zeit daran denken, was da jetzt wohl passiert. Als ich ihn endlich zu Gesicht bekomme, erschrecke ich. Er hat geweint, hat aber auch einen ungewöhnlichen Gesichtsausdruck. Er wirkt zufriedener, glücklicher. „Ich habe etwas aus meiner Kinderzeit wieder gefunden!“, meint er. Stephan wirkt so ruhig und gelassen. So habe ich ihn noch nie erlebt! Wow! Ich bin beeindruckt. Er darf noch nicht mehr mit mir darüber reden, damit ich keine zu hohen Erwartungen habe, denn bei jedem wirken die Sessions unterschiedlich. Am nächsten Tag bin ich dran. Und schon nach 2 min fange ich an zu heulen. Ich erinnere mich an etwas. Etwas, was ich mein ganzes Leben schon in mir gefühlt habe. Es war immer da. Ich habe es als tiefe Sehnsucht nach etwas mir Unerklärklichem gespürt. Beschreiben kann ich es nicht. Es steckt zuviel dahinter und es ist einfach zu schwierig, es begreifbar zu beschreiben. Weiter gehen wir noch einige Probleme an, die mir gar nicht so bewusst waren, aber ich merke, während wir darüber reden, dass sie mich belastet haben. Nach einer guten Stunde sind wir fertig. Ich auch. Mit so einer Intensität und Tiefe sind wir in den Geist eingetaucht - ich hätte es nicht für möglich gehalten. Ich fühle mich unendlich erleichtert und bin einfach nur dankbar, dass Andreas mir so geholfen hat.

Die nächsten zwei Tage laufen Stephan und ich nur verwirrt durch die Gegend rum. Wir sind von der Session total aufgewühlt. Etwas ganz Neues eröffnet sich vor uns. Wie geht es jetzt für uns weiter? Wir tragen plötzlich ein Wissen in uns, dass eigentlich die ganze Zeit da war, nur wir haben es nicht bemerkt! Was erwartet uns? Tauchen wir hinein in das neue Unbekannte? Ist es ein langer schwieriger Weg oder muss es einfach nur Klick machen? In der Session haben wir einen Zustand erlebt, an den wir uns erinnert haben, den es sich lohnt wieder anzustreben. Einen Zustand des Glücks und der Ruhe, den inneren Frieden. Frei von Stress, Angst, Ungeduld, Tätigkeitsdrang. Wie kommen wir da wieder hin? Wir löchern mit unseren Fragen Andreas. Unsere Gefühle fahren Achterbahn. Mal sind wir voller Hoffnung, mal kullern einfach so ein paar Tränen. Es ist einfach so gewaltig, was sich da in uns öffnet.

Die Woche rennt dahin. Am Ende der Woche reist Amma zu einer kleinen „Tournee“ durch Südindien. Wenn Amma weg ist, wird auch der Ashram leer. Alle reisen ab. Wir fragen uns, was wir jetzt machen. Einfach so weiterreisen wie bisher geht nicht mehr. Wir sind wissensdurstig und hoffen, dass wir irgendwie noch länger mit Andreas zusammen sein können. Andreas schlägt uns vor, mit nach Thiruvannamalai zu kommen. Ein heiliger Ort, 12 Stunden mit dem Zug gen Nordosten. Klar, das machen wir. Unser Motorrad wird einfach in den Zug verfrachtet und los geht’s.

Im Zug lasse ich die Woche noch einmal Revue passieren. Hm, ich muss schmunzeln. Irgendwie kommt bei mir ein Ferienlagergefühl auf. Man muss sich um nichts kümmern, kann die ganze Zeit reden, singt Lieder und schließt tolle Bekanntschaften. Es gibt ein paar Regeln und ein paar Leute, die das alles organisieren. Ein Ferienlager für Erwachsene, genau! Aber das Wichtigste ist, dass man eine Menge über sich selbst lernt.

Das befriedigende Gefühl in uns sagt uns, dass wir endlich angekommen sind. Keine Ahnung, ob das noch ne Weltreise wird oder nicht. Es ist egal. Was sollen wir durch all die Länder fahren? Wir haben es erfahren: glücklich und zufrieden wie wir es uns erhofft hatten, hat es uns nicht gemacht. Und nun finden wir auf unserer Reise einen ganz neuen Weg. Er fühlt sich richtig und gut an wie als wenn man nach Hause kommt: Der Weg nach innen. Eine ganz neue Zufriedenheit, Hoffnung und Zuversicht, das Gefühl ein MENSCH zu sein! Wir können nur Zufriedenheit und Hoffnung schreiben, aber es sind nur Wörter. Was alles dahinter steckt, das immense Ausmaß, das lässt sich einfach nicht beschreiben. Das muss jeder selbst erfahren. Wir sind glücklich, dass wir diese Erfahrungen in diesem Leben machen dürfen.

Diese Woche war im wahrsten Sinne des Wortes eine wundervolle Erfahrung für uns!