Traumreise  
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  2013 Indonesien
2008-2009 Spanien
2006-2007 Westeuropa-Marokko
2004-2005 Indien
2004  Russland - Kasachstan

 

Spanien - Wir sind da!




Schon komisch wie schnell man sich an Gegebenheiten gewöhnen kann, wenn man sich länger in einem Land aufhält. Gerade eben noch in Frankreich, nun in Spanien. Andere Sprache, wo kriegen wir Wasser und wo können wir Abwasser loswerden, gibt’s hier auch so Leckereien, wo kauft man überhaupt ein… Jetzt heißt es, sich erstmal wieder zurecht zu finden. Es ist zwar Europa und Deutschland immer noch ähnlich, aber trotzdem ist es die Fremde.

Wir fahren an der Küste lang. Man kann sich echt ans Meer gewöhnen. Unsere erste Nacht verbringen wir direkt am Strand neben einem Campingplatz, der bereits geschlossen hat. Die Polizei stattet uns abends einen Besuch ab. Uups. Hier wird es wohl mit wild campen nicht so locker gesehen wie in Frankreich. Aber sie sind freundlich, es ist kein Problem für eine Nacht. Am Morgen sehen wir die Sonne aus dem Meer steigen. Wunderschön. Weiter gen Süden. Die Küste ist bergig seit Frankreich. Kein Flachland mehr, deshalb ist jede Bucht ausgenutzt. Langsam nähern wir uns den Touristenorten an der Costa Brava. Es stört uns nicht, noch nicht. Nach den vielen ruhigen Stränden in Frankreich ist ein bisschen Rummel und Bummel auch mal wieder schön. Vor Lloret de Mar geht es noch. Aber ab Lloret: Busse und Camping nicht möglich. Für Busse nur gebührenpflichtige Parkplätze. Hier fühlen wir uns nicht willkommen. Also weiter. Da wir aber nun wieder 5 Tage gefahren sind, wollen wir mal ein Tag Pause einlegen und suchen ein annehmbares Plätzchen. In Malgrat de Mar stellen wir uns auf einen großen Busparkplatz. Sieht schon lustig aus: Esmeralda zwischen ihren großen neuen Brüdern und Schwestern. So richtig wohl fühlen wir uns aber nicht. Die ganze Zeit haben wir das Gefühl, das wir gleich weggeschickt werden. Der Blick auf die Hotelbauten ist auch nicht gerade berauschend. Als unser Tag Pause zur Neige geht, ergreifen wir die Flucht. Wir wollen uns irgendwo ein anderes Plätzchen suchen.

Wir fahren an Calella vorbei, Barcelona ist nur noch 50 km entfernt. Wir sind kaputt, wollen uns ausruhen. Da sehen wir ein Park. Okay, gucken wir mal da. Unsere Gangschaltung spinnt. Der 2. Gang springt manchmal raus. Getriebeflüssigkeit nachgucken, sagt Stephan noch, während wir durch den Tunnel langsam auf den Parkplatz rollen. Hm, Camping hier verboten. Also wieder umdrehen. Geht nicht! Jetzt ist vorbei. Die Gangschaltung geht nicht mehr. Wir können noch gerade so an die Seite rollen. Motor aus. Mist, und nun? Stephan guckt sich das Problem erstmal an. Er stellt fest, dass ein Verbindungsstück bei der Gangschaltung kaputt ist. Nichts großes zum Glück. So, nun heißt es wieder Werkstatt suchen, Ersatzteil bestellen etc. Wir finden zwar schnell eine Werkstatt. Mit dem Ersatzteil wird es aber schon schwieriger. Jetzt stellen wir fest, wie viel Glück wir wirklich hatten in Frankreich. Das Ersatzteil ist in ganz Spanien nicht aufzutreiben und muss aus Deutschland importiert werden. Dauert mind. ne Woche, sagt die Werkstatt. Okay, dann müssen wir eben warten. Zum Glück wird uns der ganze Spaß nicht so teuer. Und so kommen wir nun doch zu unserer Pause. Und die Polizei, die uns bald anspricht, kann uns nicht wegschicken. Wir haben ja eine Panne. Einen Bus abschleppen, ja, äh, …nee, schon okay, bleiben sie mal stehen. Welches Glück wir haben, das ist mal wieder unglaublich. Wir stehen in einem Park im Grünen. Gleich neben uns ein Brunnen mit Wasseranschluss. Wir stehen im Schatten und das Meer ist 100 m entfernt. Wir haben sogar Internet im Bus. Als Stephan das Notebook aufklappt - wir haben wireless lan - ist plötzlich eine Verbindung da. Super! Ach ja und wir mussten genau da stehen bleiben, wo ein Stromkasten ist, an dem wir uns nachts manchmal heimlich anklemmen, um unsere Batterie zu laden. Und in dem Ort kriegen wir alles was wir brauchen. Zufälle gibt’s! Wer glaubt da denn noch an Zufälle?

Aber der liebe Gott hat immer eine Überraschung für uns bereit. Nach unserer ersten Nacht frühmorgens um 6 Uhr hören wir an unserem Bus ein Geräusch, einmal quer von vorne bis hinten. Ratscht uns da einer den Lack auf, denken wir schlaftrunken. Nee, das Geräusch ist zu gleichmäßig. Wir gucken raus und stöhnen. Oh nein! Rasensprenger! Wir stehen genau vor einem, der unseren Bus von vorne bis hinten abspritzt. Stephan springt raus und versucht, das Ding umzustellen. Klar, dass er da eine Dusche kriegt! hihi! Aber er schafft es, mein Held, und von da an haben wir auch ruhige Nächte.

Das Ersatzteil lässt auf sich warten. 3-4 Tage sollte es dauern. Wir warten schon 10! Nach 2 Tagen ist es bereits in Madrid, kommt aber bei uns nicht an. Wir befürchten, dass es verloren gegangen ist. Ist eigentlich nicht weiter schlimm. Wir haben es per Einschreiben geschickt und bekommen es notfalls ersetzt. Wir müssen einen Nachforschungsantrag stellen und das kann dauern. Soviel Zeit haben wir aber nicht, denn nächste Woche wollen wir uns mit Jenny und Martin, Freunde aus Deutschland, in Alicante treffen. Ob wir das wohl schaffen?

Obwohl uns die Warterei nervt, denn es kann ja theoretisch jeden Tag weitergehen, haben wir uns langsam an den Ort gewöhnt. Die Einheimischen grüßen uns schon, und Ralph, eine liebenswerte Rockerseele, kommt immer öfter um sein Herz bei uns auszuschütten.

Bei der ganzen Warterei brauchen wir auch mal wieder etwas Aufregung und fahren am Samstag nach Barcelona, in die große Stadt. Und wir sind überrascht. Barcelona ist eine wirklich schöne Stadt. Wirklich empfehlenswert. Überall enge Gassen, Fußgängerzonen, alte Häuser, schöne Höfe mit Cafes. Man braucht auch kein Geld in dieser Stadt. Man wird überall unterhalten. An jeder Ecke Straßenkünstler jeder Art, Artisten, Breakdancer, Konstümierte, Jongleure, Musiker. Wir sind nur am staunen. Barcelona, wir kommen wieder.

Auch nutzen wir die viele Zeit, um wieder an uns zu arbeiten, wie wir es immer nennen. Denn manchmal ist es schon ganz schön anstrengend oder ungemütlich. Vielleicht schaffe ich es ja demnächst dazu mal etwas Genaueres zu schreiben, falls es den ein oder anderen interessiert. Man kann schon ziemlich tiefe Erkenntnisse über sich haben, wenn man mal viel Zeit hat zum Nachdenken. Und obwohl das nicht immer einfach ist, ist das Ergebnis für uns einfach überwältigend. Wir freuen uns, so viel zu erfahren, in uns und um uns herum. Vielleicht können wir das irgendwann mal mit anderen teilen.

So, nun drückt uns die Daumen, dass das Ersatzteil bald kommt!